Stand der Digitalisierung im Gesundheitswesen
Austauschtreffen gesundaltern@bw
Wer spricht da eigentlich?
- Bianca Kastl
- sie / ihre
- bkastl.de
Level of Expertise
- Software-Projektmanagerin / Webentwicklerin
- Betreuung digitale Kontaktnachverfolgung während dieser Pandemie
- Arbeitet an der Digitalisierung im Gesundheitsamt Frankfurt und an Schnittstellen für viele andere Gesundheitsämter
- hat schon einmal die Luca App gehackt
Drei Säulen des Gesundheitswesen
- ambulante medizinische Versorgung (ärztliche Praxen, Apotheken,…)
- stationäre medizinische Versorgung (Krankenhäuser, Reha-Einrichtungen, …)
- Öffentlichen Gesundheitsdienst (Gesundheitsämter, …)
Stand der Digitalisierung des Gesundheitswesens
- Was war der eigentliche Plan?
- Was ist schon möglich?
- Was kommt noch?
Wichtige Prämissen bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens
- letzten Endes geht es um Hilfsmittel, die mehr Zeit für den Menschen oder bessere Teilhabe ermöglichen
- es gibt immer die Wahlmöglichkeit, digitale Tools oder Dienste zu nutzen oder nicht
- es geht um informelle Selbstbestimmung
Was gehört eigentlich zur Digitalisierung im Gesundheitswesen?
- Digitale Kommunikationsmöglichkeiten und Infrastruktur (gematik)
- Digitale Anwendungen innerhalb der TI-Infrastruktur
- Digitale Gesundheitsanwendungen (Apps)
- sonstige digitale Hilfsmittel und Anwendungen
Ursprüngliche Pläne: digitale Anwendungen
- Eigentlicher Plan: Einführung elektronische Gesundheitskarte 1. Januar 2006 / kam dann ab Oktober 2011
- 2015 eHealth Gesetz / Konkretisierung der Anwendungen
- in der Folge immer wieder Verschiebungen bei einzelnen Anwendungen
Was ist daran eigentlich so kompliziert?
- viele unterschiedliche Beteiligte (Praxen, Krankenhäuser, Krankenkassen…)
- viele unterschiedliche technische Standards (Datenformate, Hardware)
- hohe Anforderungen an Datensicherheit und Datenschutz
… und dann kam auch noch eine Pandemie
- Wir befinden uns heute an Tag 605 der Corona-Pandemie (seit 11. März 2020)
- Pandemie hat Digitalisierung teils vorweg genommen…
- … teils aber auch erschwert
- Digitalisierung als Mittel zur besseren Pandemiebewältigung
Grundlagen
Grundlagen: elektronische Gesundheitskarte
- Startpunkt elektronische Gesundheitskarte ab 3. Quartal 2011
- Authentifizierung zur TI-Infrastruktur
- ermöglicht Nutzung der zentral gespeicherten Daten durch Entschlüsselung verschlüsselter Daten
- Unterschiedliche Versionen aktuelle Version 2.1 mit PIN und CAN und kontaktloser Funktion
Grundlagen: TI-Infrastruktur
- Grundlage für Vernetzung aller Beteiligten im Gesundheitswesen
- Basis für alle weiteren Anwendungen
- Aktuell: Sicherung über Hardware (Konnektoren, Kartenterminals, Heilberufsausweise, eGK, SMC-B, gSMC-KT)
Status: TI-Infrastruktur
- noch ausstehend: Anbindung von Krankenhäusern bis 31.12.2021 (Aufschiebefrist)
- erledigt: Anbindung von ärztlichen Praxen, Apotheken, Zahnarztpraxen etc.
- Kommunikation über KIM (E2E-E-Mail)
Fragepause
Anwendungen
Elektronischer Medikationsplan (eMP)
- wird direkt auf der eGK gespeichert
- Stand: verfügbar seit 2020
- Voraussetzung: mindestens drei verordnete Medikamente
- Freigabe durch PIN
- Alternative: bundeseinheitlicher Medikationsplan als QR-Code
Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGa)
- Apps mit nachgewiesenem medizinischen Nutzen, die verordnet werden können
- Verordnung von April 2020
- Voraussetzung: App muss entsprechend vom BfArM zugelassen sein
- Entsprechend hohe Anforderungen an Nutzen und Datenschutz, aber nicht vollständig gesichert
Videosprechstunde
- Ursprünglich auf maximal 20 Prozent der Behandlungsstunden beschränkt
- In Pandemie dann aufgehoben, weil Notwendigkeit und Akzeptanz
- Voraussetzung: zertifizierte Anbieter
Fast 1,2 Millionen Mal konsultierten Patienten im zweiten Quartal 2020 einen Arzt oder Psychotherapeuten per Video – so oft wie noch nie.
KBV,
Immer mehr Praxen greifen zur Kamera - Zahl der Videosprechstunden auf über eine Million gestiegen
Notfalldatenmanagement (NFDM)
- wird direkt auf der eGK gespeichert
- Stand: verfügbar seit Mitte 2020
- Voraussetzung: Vorerkrankungen oder Allergien etc.
- Kann im Notfall gelesen werden, Zugriffe werden protokolliert
Pandemie: Corona-Warn-App
- Start: Juni 2020
- Aufspüren von Risikobegegnungen mittels Bluetooth oder Check-Ins
- datensparsame und anonyme Contact Tracing App in Corona Pandemie
- 35 Millionen Downloads
- Anbindung in Testinfrastruktur
Elektronische Patientenakte (ePa)
- Zentraler, verschlüsselter Datenspeicher für medizinische Dokumente
- Nutzung mit eGK oder alternativer Versichertenidentität (al.vi)
- Stand: Anbindung der Praxen zum 1.7.2021 erfolgt, Apotheken und Krankenhäuser bis Ende 2021
- bereits verfügbar für gesetzliche Krankenversicherung, private Krankenversicherung 2022
- dokumentengenaue Freigabe ab 2022
Pandemie: digitaler Impfnachweis
- Start: Juni 2021
- Nachweis einer Impfung gegen COVID-19
- digitale Spezialanwendung des Impfpasses, zertifiziert Impfungen
- nur gültig in Verbindung mit Personalausweis
Elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU)
- Übersenden der Arbeitsunfähigkeit an Krankenkasse
- Stand: Versand an Krankenkassen ab Oktober 2021, ab Juli 2022 an Arbeitgeber
- teils Übergangslösungen
Blick hinter die Kulissen
- Wie sieht sowas eigentlich aus?
- Daten codiert als Schlüssel-Wert-Paare
Fragepause
Zukunft und Ausblick
Elektronisches Rezept (eRezept)
- elektronische Übermittlung von Rezepten
- Wichtig ist der Token (QR-Code), Rezept liegt "digital zur Abholung" bereit
- einlösbar auch bei Online-Apotheken, alle Rezeptarten
- verfügbar als App oder Ausdruck
- Stand: Pilotierung ab Dezember 2021, Start 2022 (?)
Elektronischer Impfpass (eImpfpass)
- digitale, freiwillige Version des gelben Impfpasses
- Unterschied zum digitalen Impfnachweis
- Teil der ePA
- Hinweis auf Impflücken und Auffrischungen
- Stand: Start Anfang 2022
E-Zahnbonusheft
- digitale, freiwillige Version des Zahnbonushefts
- Teil der ePA
- Hinweis auf Nachsorgeuntersuchungen
- Stand: Start Anfang 2022
Gesundheitliche Forschungsdaten
- Gesundheitsdaten der ePA sollen zu Forschungszwecken zur Verfügung gestellt werden können
- Zeitplan: soll ab 1. Januar 2023 technisch möglich sein
- Aktuell ausdrückliche Zustimmung notwendig, kann sich aber ändern (Opt-In)
Telematikinfrastruktur 2.0 (TI 2.0)
- Umbau der Infrastruktur hinter digitalen Anwendungen auf "hardwarelose Verfahren"
- Zeitplan: Umbau der TI-Infrastruktur bis Ende 2025
- Nutzung von elektronischen Identitäten etc.
- Konsequenz: Dienste werden in ein paar Jahren umgestellt und wohl etwas einfacher zu nutzen (einfachere Zugriffe)